Alice Schwarzer: Auch Männer können Menschen sein

Die Feministin Alice Schwarzer mag „lieber jungenhafte Männer als muskulöse Mannsbilder“. Dies verriet die Herausgeberin der Frauenzeitschrift „Emma“ dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Generell sei der ideale Mann „einfach ein Mensch“, sagte Schwarzer, die am 3. Dezember 75 Jahre alt wurde. Ihrem Großvater, der für sie ihre „soziale Mutter“ gewesen sei, verdanke sie die Erkenntnis, „dass auch Männer Menschen sein können – wenn sie nur wollen“.

Als ihre größte Genugtuung im Rückblick auf ihren Einsatz für Frauenrechte bezeichnete Schwarzer es, „dass ich in den 50 Jahren viel beitragen konnte zur Ermutigung von Frauen – und auch von Männern, die keine Machos sein wollen“. Ihrer Ansicht nach „sind wir letzten halben Jahrhundert mit Siebenmeilenstiefeln vorangekommen. Niemals hätte ich mir in den 70er Jahren erträumen lassen, dass ich noch eine deutsche Kanzlerin erleben werde und dass mir so viele Männer begegnen werden, die Kinderwagen schieben. Immerhin sind wir Feministinnen gegen ein paar Tausend Jahre Patriarchat angetreten.“

Allerdings bleibe nach nur einem halben Jahrhundert Veränderung durchaus noch einiges zu tun, sagte Schwarzer. So würde sie es gern erleben, dass Prostitution und Frauenhandel, die beide untrennbar miteinander verknüpft seien, „in unserer Gesellschaft so geächtet werden wie inzwischen der Sklavenhandel“.