Die Kondom Story

Die Dokumentation „Die Kondom-Story“ (27. September 2017, 3sat), erzählt eine deutsche Sittengeschichte in den Umbruchszeiten des 20. Jahrhunderts – und die Geschichte einer jüdischen Familie, die in kurzer Zeit einen unglaublichen Aufstieg erlebt hatte und um ihr Lebenswerk gebracht wurde.

Julius Fromms Erfindung sorgte für eine Revolution in deutschen Schlafzimmern: „Fromms Act“ – das erste Markenkondom ohne störende Naht.

Selbstbewusst gab Julius Fromm seinem hauchdünnen Gummi-Überzieher seinen eigenen Namen. In nur fünf Jahren schaffte er den Aufstieg vom kleinen Einmannunternehmer zum wohlhabenden Fabrikanten. Sein Produkt wurde zum Synonym für Schutz und Verhütung. Auf den Berliner Kabarettbühnen der 1920er-Jahre sang man: „Fromms zieht der Edelmann beim Mädel an.“

Bereits 1926 verfügte die Firma über Niederlassungen im Ausland, und 1928 stieß die Kondomfabrik auch in der Berliner Rahnsdorfer Straße an ihre Grenzen und musste expandieren. Unter dem NS-Regime versuchte Julius Fromm, seinen Betrieb weiterzuführen. Doch 1936 begann eine Hetzkampagne gegen den jüdischen Unternehmer.

Am 4. August 1938 wurde seine Firma auf Geheiß von Hermann Göring zu einem Spottpreis zwangsverkauft. Julius Fromm und seine Familie emigrierten nach London. Dort starb Julius Fromm am 12. Mai 1945, angeblich aus Freude über das Kriegsende. Seiner Familie gelang es nicht mehr, ihr Eigentum wieder zu übernehmen. Im Dezember 1949 wurden die Frommschen Gummiwerke in Volkseigentum überführt.